"In Spanien, Griechenland und weiteren Ländern toben weiter heftige Waldbrände. Dadurch starben zuletzt drei Menschen, Tausende mussten evakuiert werden. Die Einsatzkräfte sind am Limit...." ist es dieser Tage immer wieder ähnlich in verschiedenen Presseberichten zu lesen.
Aber nicht nur im Ausland brennen die Wälder immer häufiger - nein, auch in Deutschland gibt es, lt. Mitteilung des BBK , im Jahr durchschnittlich 1.000 Waldbrände - Tendenz steigend. Dabei brennen etwa 800 Hektar Wald ab (ca. 1.120 Fußballfelder).
Die steigenden Temperaturen trocknen den Wald bereits im Frühjahr aus und machen ihn anfälliger. Welche Auswirkungen das haben kann, konnte man beim Brand in der Gohrischheide (Sachsen) verfolgen. Die dortige Forstverwaltung spricht vom "größten Feuer seit Jahrzehnten".
Waldbrände gehören ganz klar zu den schwierigsten Disziplinen der Brandbekämpfung!
Selbstentzündung von Wäldern sind ein Märchen. Auch Glasscherben oder Flaschen reichen nicht aus, um die nötige Temperatur zu erreichen. Meist sind es Fahrlässigkeit (z. B. durch Zigaretten, Campingkocher, heißen Auspuff), Brandstiftung oder alte Kampfmittel , die als Auslöser identifiziert werden.
Daher gilt es, gerade in den Sommermonaten in den Wäldern besondere Vorsicht walten zu lassen, die Verbote für offenes Feuer und Rauchen zu beachten und erkannte Brände sofort unter dem Notruf 112 zu melden.
Auch der Deutsche Wetterdienst gibt regelmäßig in seinem Waldbrandgefahrenindex und seinem Graslandfeuerindex Auskunft über die Gefahrenlage.
Wie bekämpft man einen Waldbrand und was macht die Bekämpfung so schwierig?
Vielerorts erlassen die zuständigen Bezirksregierungen bei langanhaltend heißen Temperaturen Anordnungen zur Luftbeobachtung. Flugzeuge oder Hubschrauber der jeweiligen Flugstaffel starten zu vorgegebenen Zeiten, überfliegen mehrfach die vorher festgelegten Gebiete und können so schnell verdächtige Rauchentwicklungen feststellen. In anderen Bundesländern mit großen Waldflächen sind noch Beobachtungstürme oder vermehrt spezielle Kamerasysteme mit Rauchdetektoren im Einsatz.
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Insbesondere bei Waldbränden sind die Löschwasserkapazitäten, die reguläre Einsatzfahrzeuge (ca. 1.000 - 3.000 l) mit sich führen, schnell erschöpft. Neben der Nachforderung von Großtanklöschfahrzeugen müssen dann lange Förderleitungen mit mehreren Pumpen aufgebaut werden - und dies manchmal über viele Kilometer. Auch Landwirte ("Landlöschwirte, RedFarmer") unterstützen hier regelmäßig die Löscharbeiten mit ihren großen Güllefässern. In unwegsamen Gelände stellen Löschhubschrauber mitunter die einzige Option dar. Zudem ziehen die Einsatzkräfte Brandschneisen an strategisch günstigen Orten, um dem Feuer so die Nahrung zu entziehen.
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Starke Winde führen oft zu einer raschen Ausbreitung und lassen den Kampf gegen die Flammen hoffnungslos erscheinen. Hier spielt die Eigensicherung der Einsatzkräfte eine große Rolle.
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Die Hitze kommt von allen Seiten und die Einsatzkräfte sind dabei mittendrin. Gute Verpflegung mit Getränken und ein regelmäßiger Personalaustausch sind zwingend notwendig. Daher werden bei großen Brandereignissen oft auch Hilfeleistungskontingente aus anderen Landkreisen oder Bundesländern nachgefordert.
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Hin und wieder kommt es vor, dass Waldgebiete mit Munition belastet sind. In diesen Fällen sind die Möglichkeiten der Feuerwehren am Boden stark begrenzt, da auch hier die Eigensicherung noch stärker in den Fokus rückt.
Wie organisieren die Behörden die Waldbrandbekämpfung?
Grundsätzlich ist die Kommune für die Brandbekämpfung zuständig, in deren Einzugsgebiet es brennt. Bei Bedarf besteht die Möglichkeit, Amtshilfe bei benachbarten Kommunen, bei anderen Bundesländern oder beim Bund, der mit Kräften des Technischen Hilfswerks (THW), der Bundeswehr (Hubschrauber, Räum- und Bergepanzer uvm.) oder mit Hubschraubern der Bundespolizei unterstützen kann, anzufordern.
Die logistische Unterstützung (Lieferung von Ge- und Verbrauchsmaterial, Kraftstoff u.a.) ist bei langanhaltenden Brandereignissen das A und O. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Hygiene. Einsatzkräfte, die an der Flammenfront eingesetzt sind, müssen die Möglichkeit haben, sich giftige Rußpartikel von der Haut zu waschen.
Wald- und Vegetationsbrände richten sich nicht nach Gemeinde- oder Landesgrenzen. Daher ist der Krisenstab ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt der Einsatzkoordination. Dieser kümmert sich um Personal, Verpflegung, Pressearbeit, Warnmeldungen und wertet Lagemeldungen und Wetterdaten aus. Die Leitung hat in der Regel ein politischer Vertreter des Schadensgebietes (Bürgermeister, Landrat) inne. Je größer das betroffene Gebiet ist, desto höher ist ein Krisenstab angesiedelt. Bei überregionalen Lagen können die Regierungen oder das Staatsministerium das Katastrophenmanagement übernehmen. Über die EU kann bei Bedarf auch im Ausland Unterstützung angefordert werden.
Inzwischen hat bei vielen Kommunen und Feuerwehren bereits ein Umdenken im Beschaffungsprozess von Fahrzeugen und Material stattgefunden. Im Idealfall sind die Feuerwehren so ausgestattet, dass sie auf alle im Einsatzgebiet möglichen Szenarien vorbereitet sind. D. h. insbesondere in bewaldeten Gebieten sollten geländegängige Fahrzeuge mit Allradantrieb, besondere Waldbrand-Schutzkleidung für die Einsatzkräfte sowie spezielle Werkzeuge (u. a. Feuerpatschen, Gorgui-Tool = universelle Waldbrandhacke, Löschrucksäcke, Schlauchmaterial in leicht tragbaren Körben, Pulaski-Axt u.a.) vorhanden sein.